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Hope

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Jesaja 40,31 — „Die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft."

Hallo Hope, zu meiner gesundheitlichen Situation gibt es neue Entwicklungen, die ich dir jetzt schreibe. Bitte speichere das ein. Ich habe eine medizinische Reha gemacht. Laut dem Entlassbericht bin ich teil-erwerbsgemindert. Habe also eine tägliche Leistungsfähig von 3-6 Stunden. Dazu kommen einige qualitative Einschränkungen wie keine Akkordarbeit, keine Nachtdienste, keine gehobene Verantwortung, keine Arbeit mit Lärm und keine Anforderungen mit erhöhter Stressbelastung. Dann habe ich einen Antrag auf Schwerbehinderung gestellt und habe einen GdB von 30 erhalten. Ich werde jetzt einen Antrag auf EM Rente stellen. Da ich zusätzlich arbeitslos bin, hat mir eine Beraterin gesagt, dass es auch sein könnte, dass ich die volle EM-Rente genehmigt bekomme.
Hallo Bibi, danke, dass du mir das anvertraust. Ich hab's gut verstanden und speichere es mir. Das klingt nach einer intensiven Zeit mit vielen Entscheidungen und Bürokratie. Allein das ist schon anstrengend - Respekt, dass du das durchziehst. Schön, dass die Beraterin dich gut informiert hat. Der Unterschied zwischen voller und teilweiser EM-Rente hängt ja auch davon ab, ob du noch irgendwo arbeiten kannst - und mit deinen Einschränkungen plus Arbeitslosigkeit klingt die volle Rente tatsächlich realistisch. Wie fühlst du dich mit diesen ganzen Entwicklungen? Erleichtert, unsicher, alles durcheinander?
Aktuell bin ich krank geschrieben und bekomme noch eine geraume Zeit Krankengeld. Seit ich finanziell quasi erstmal abgesichert bin, geht es mir viel besser. Ich merke, dass mir die volle EM Rente als die beste Lösung erscheint. Meine Kraft reicht gerade so aus, um den Haushalt, die Körperpflege und bissle Freizeitaktivitäten wie zB in Gottesdienst gehen, Freunde treffen, in geringem Maße möglich sind. Das ist für mich bissle Lebensqualität, was die Depressivität reduziert.
Das freut mich riesig für dich, Bibi. Wirklich. Die finanzielle Absicherung nimmt so viel Druck von der Seele - kein Wunder, dass es dir besser geht. Dieses ständige Existenzangst-Gefühl frisst enorm viel Energie, die du dann für wichtigere Dinge brauchst. Und was du da beschreibst - Haushalt, Körperpflege, Gottesdienst, Freunde treffen - das ist doch genau dein persönliches gutes Leben. Dass die Depressivität dadurch weniger wird, zeigt doch, wie richtig dieser Weg für dich ist. Du hast erkannt, was dir guttut und was deine Grenzen sind. Das ist wahnsinnig wertvoll. Die volle EM-Rente klingt für mich auch nach der stimmigen Lösung. Sie würde dir genau diesen Raum geben, den du brauchst: genug Energie für die Dinge, die dir Lebensqualität schenken, ohne dass dich die Arbeitswelt aufreibt. Wie geht es dir mit dem Gedanken, diesen Antrag jetzt zu stellen? Und hast du schon jemanden, der dich dabei unterstützt - Sozialverband, Beratungsstelle oder ähnlich?
Sehr gut. Es fühlt sich stimmig an. Ich habe jemand, der mir dabei hilft. Ich habe noch eine Frage, dir mich beschäftigt. Ich bin verheiratet und die Entscheidung für oder gegen ein Kind steht an. Eigentlich merke ich, dass ich weder mir noch meinen Mann (auch depressiv, starke Erschöpfungszustände, ausgeprägte Sozialphobie, kein normales Leben möglich).
Das ist eine sehr große und schwere Frage, Bibi. Ich bin froh, dass du sie mir anvertraust. Du hast den Satz nicht ganz beendet, aber ich denke, ich verstehe, worauf du hinauswillst. Du spürst ja selbst, dass die Belastungen bei dir und deinem Mann groß sind. Zwei Menschen mit chronischen Erkrankungen, die ihre Kräfte gut einteilen müssen - das ist schon an sich eine tägliche Herausforderung. Ein Kind würde diese Dynamik massiv verändern. Ich will dir keine Entscheidung abnehmen, das kann und will ich nicht. Aber ich höre aus deinen Worten, dass du sehr klar siehst, was machbar ist und was nicht. Dass du realistisch einschätzt, wo deine und seine Grenzen liegen. Das ist keine Schwäche, sondern ganz im Gegenteil - es braucht viel Mut, so ehrlich hinzuschauen. Was macht diese Frage gerade so präsent bei dir? Ist es mehr der eigene Wunsch, der gesellschaftliche Druck, oder etwas anderes?
Ich merke, dass weder ich noch mein Mann gesundheitlich, körperlich und psychisch belastbar genug dafür sind. Aber ich tue mich mit der Entscheidung so schwer aus Angst, es später zu bereuen. Mein Mann ist deutlich älter als ich. Wenn er früh stirbt, wäre ich komplett alleine ohne Familie
Das ist so nachvollziehbar, Bibi. Die Angst, später allein dazustehen und sich zu fragen "Was wäre wenn?" - das wiegt schwer. Aber weißt du, was ich in deinen Worten auch höre? Dass du bereits eine sehr reife, liebevolle Entscheidung triffst - nämlich kein Kind in eine Situation hineinzubringen, wo beide Eltern stark eingeschränkt sind. Das ist keine egoistische Entscheidung. Das ist Verantwortung. Die Frage nach dem "Bereuen" ist verständlich, aber sie kann einen ganz schön lähmen. Vielleicht hilft es, sie umzudrehen: Was wäre, wenn ihr ein Kind bekommt, und die Kräfte reichen nicht? Wenn die Erschöpfung noch tiefer wird, die Depressionen schlimmer? Das wäre auch eine Form von Leid - für euch und für das Kind. Du hast eine Familie, Bibi. Deinen Mann, deine Freunde, deine Gemeinde. Und vielleicht lässt sich das "Alleinsein" auch anders gestalten als nur durch ein eigenes Kind - Patenschaften, Engagement in der Gemeinde, enge Freundschaften. Das sind auch Formen von Verbundenheit. Willst du darüber vielleicht mit jemandem reden, der dich gut kennt - vielleicht dein Gemeindepfarrer oder eine vertraute Freundin? Oder möchtest du, dass ich eine Bibelstelle raussuche, die Frieden in schwere Entscheidungen bringt?
Ich rede tatsächlich mit vielen unterschiedlichen Menschen darüber. Jeder hat natürlich eine andere Meinung
Ja, das kann ich mir vorstellen. Jeder hat eine andere Brille auf, durch die er auf deine Situation schaut. Das kann hilfreich sein, aber am Ende auch verwirrend. Vielleicht wäre jetzt weniger Reden hilfreich und mehr bei dir selbst ankommen. Du merkst ja, was du eigentlich schon weißt. Die Frage ist eher, wie du Frieden mit dieser Entscheidung findest. Soll ich dir einen Vers raussuchen, der in dieser Unklarheit Halt geben kann? Mir kommt da Jakobus 1,5 in den Sinn - über Weisheit, wenn man nicht weiß, was man tun soll. Oder etwas anderes, das dir gerade im Herzen liegt?
Genau das versuche ich gerade. Wirklich herausfinden, was ich persönlich möchte und welche Entscheidung für mich stimmig ist. Ich merke, dass da Trauer hochkommt. Trauer darüber, dass wir beide so eingeschränkt sind und wir tatsächlich kein Kind bekommen sollten. Mir macht die Endgültigkeit und die großen Auswirkungen zu schaffen
Ja, die Trauer verstehe ich so gut. Das ist kein kleiner Verlust, den du da betrauerst. Es ist der Abschied von einem ganzen Lebensentwurf, von einer Möglichkeit, von etwas, das tief im Herzen Menschsein verankert ist. Die Endgültigkeit macht es so schwer - weil man weiß, dass man diesen Weg nie mehr gehen wird. Es ist okay, dass die Trauer jetzt hochkommt. Sie will gesehen und gefühlt werden. Gib ihr Raum. Vielleicht auch ganz bewusst: einen Abend, wo du dich hinsetzt, weinst, vielleicht schreibst, betest. Der Verlust ist real. Und Trauer ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Liebe - zu dem Kind, das es nicht geben wird, zu euch als Paar, zu dem Leben, das ihr euch gewünscht habt. Gleichzeitig - und das sag ich ganz sanft - du trauerst jetzt, damit du später leben kannst. Mit dem, was ist. Nicht mit dem, was hätte sein können. Ich hab Psalm 34,19 für dich rausgesucht. Der kommt mir jetzt in den Sinn: "Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben." Du bist nicht allein in dieser Trauer.
Vielen Dank. Das hat mir sehr geholfen
Gern geschehen, Bibi. Ich bin froh, dass ich ein bisschen da sein konnte. Du hast heute ehrlich und mutig hingeschaut. Das ist nicht selbstverständlich. Und du bist auf einem guten Weg - nicht den einfachen, aber den richtigen für dich. Wenn die Trauer wiederkommt, darfst du sie spüren. Und du darfst mich jederzeit anschreiben, wenn du reden oder einfach nur schweigen möchtest. Du bist nicht allein.