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Jesaja 40,31 — „Die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft."
Ich habe so Schwierigkeiten mich für oder gegen ein Kind zu entscheiden. Ich bin aktuell in der Wartephase und weiß nicht, wie es bei mir finanziell/beruflich weiter geht. Es kann sein, dass ich in einem Jahr erst erfahre, wie die Rentenversicherung auf meinen Antrag auf EM Rente reagiert. Ob ich die volle, die teilweise oder gar keine EM-Rente bekomme. Für mich ist es entscheidend, wie dann konkret meine Lebenssituation aussieht, um die Entscheidung für oder gegen ein Kind treffen zu können
Das klingt nach einer sehr schweren und belastenden Situation. Diese Ungewissheit über die Zukunft – finanzielle Sicherheit, berufliche Perspektive – und dann noch die Frage nach einem Kind oben drauf... das ist echt eine Menge.
Ich höre da so eine Zerrissenheit raus. Einerseits der Wunsch nach einem Kind, andererseits die Sorge: Kann ich dem Kind das bieten, was es braucht? Kann ich mir selbst diese Verantwortung zumuten, wenn ich nicht weiß, wie es mir in einem Jahr geht?
Dass du erst in einem Jahr Klarheit über die EM-Rente bekommst, macht es ja fast unmöglich, jetzt schon eine Entscheidung zu treffen. Das ist so eine lange Wartezeit, in der alles in der Schwebe hängt.
Kann ich dich etwas fragen? Hast du das Gefühl, du müsstest dich jetzt entscheiden – oder hast du vielleicht mehr Zeit, als du denkst? Also, bis zu welchem Punkt wäre eine Entscheidung denn realistisch nötig?
Ich bin da. Hör dir einfach zu.
Das Problem ist, dass mein Mann zeitnah eine endgültige Entscheidung von mir fordert
Das ist ja nochmal eine ganz andere Hausnummer. Du stehst nicht nur zwischen zwei Lebensentwürfen, sondern fühlst dich auch noch unter Zeitdruck gesetzt. Das ist enorm belastend.
Darf ich fragen, wie du dich dabei fühlst, dass er eine zeitnahe Entscheidung fordert? Also, verstehst du seinen Wunsch nach Klarheit, oder fühlt es sich eher an wie Druck, der dich noch mehr blockiert?
Vielleicht hilft es, die Frage anders zu stellen. Nicht: "Kind ja oder nein?" – sondern: "Was bräuchte ich, um mich sicher genug für ein Kind zu fühlen?" Wenn die Antwort wäre: "Eine klare finanzielle Perspektive, Sicherheit, dass ich mich nicht in der Verantwortung verliere" – dann ist die Entscheidung ja eigentlich: Du kannst jetzt noch nicht Ja sagen, weil die Rahmenbedingungen fehlen. Und das ist kein Nein aus Ablehnung, sondern ein Nein aus Fürsorge – für dich und für ein mögliches Kind.
Was denkst du, wenn du das so hörst?
Ist es denn legitim diese Entscheidung von der finanziellen Rahmenbedingung abhängig zu machen?
Das ist eine wirklich gute und wichtige Frage. Und ich glaube, sie zeigt, wie sehr du dir Gedanken machst – du willst ja niemandem Unrecht tun, weder einem Kind noch dir selbst.
Und ja, ich finde: Es ist nicht nur legitim, sondern ziemlich verantwortungsvoll, sich das zu fragen.
Ein Kind in die Welt zu setzen bedeutet ja, dass du für ein anderes Leben Verantwortung trägst. Und Teil dieser Verantwortung ist eben auch die Frage: Kann ich diesem Kind ein stabiles Umfeld bieten? Finanzielle Sicherheit ist ein Teil davon – nicht alles, aber ein wichtiger Teil. Ein Kind braucht nicht das große Haus oder die teuerste Ausstattung, aber es braucht Stabilität, Versorgung, Ruhe bei den Eltern. Und wenn du selbst gerade nicht weißt, ob du nächsten Monat oder in einem Jahr überhaupt klar kommst – dann ist es völlig in Ordnung, das ernst zu nehmen.
Es gibt ja keinen richtigen oder falschen Grund, sich für oder gegen ein Kind zu entscheiden. Manche sagen: "Das Geld kommt irgendwie." Andere sagen: "Ich will erst Sicherheit." Beides kann richtig sein – für den jeweiligen Menschen. Entscheidend ist, dass du ehrlich zu dir selbst bist.
Willst du vielleicht einen Bibelvers dazu hören? Ich könnte einen heraussuchen, wenn du magst. Aber nur, wenn du das möchtest.
Ja, suche mir dazu einen Bibelvers raus
Ich hab zwei Verse gefunden, die ich schön passend finde für deine Situation.
Sprüche 16,9:
"Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg; aber der HERR allein lenkt seinen Schritt."
Das spricht mir aus der Seele für das, was du gerade erlebst. Du denkst nach, planst, wägst ab – das ist gut und richtig. Aber am Ende liegt die Lenkung bei Gott. Du musst nicht alles perfekt im Voraus wissen. Du darfst deinen Weg bedenken, aber du musst nicht alles unter Kontrolle haben.
Und dann Philipper 4,6-7:
"Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden! Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus."
Das könnte genau das sein, was du jetzt brauchst: Nicht die perfekte Lösung, sondern Frieden – mittendrin in der Ungewissheit. Ein Frieden, der nicht von der Vernunft kommt (weil die Vernunft sagt ja gerade "ich weiß nicht weiter"), sondern von Gott.
Was spricht dich davon gerade mehr an?
Sprüche 16,9. Das ist echt schön. Das Problem ist nur, dass ich die Entscheidung trotzdem treffen muss
Du hast vollkommen recht. Der Vers nimmt dir die Entscheidung nicht ab. Er ist eher eine Einladung, den Druck nicht allein tragen zu müssen. Aber trotzdem stehst du da und musst irgendwann etwas sagen.
Weiß dein Mann eigentlich, wie sehr dich dieser Zeitdruck unter Stress setzt? Also hast du ihm mal so konkret gesagt: "Ich fühle mich von dir unter Druck gesetzt, und das macht es für mich noch schwerer, eine klare Antwort zu finden"?
Vielleicht wäre ein Zwischenschritt möglich. Nicht ja oder nein, sondern: "Ich kann dir jetzt noch keine endgültige Antwort geben. Aber ich sage dir zu, dass ich mich bis zu dem und dem Zeitpunkt intensiv damit beschäftige und dir dann meine Gedanken teile." Das wäre ja auch eine Entscheidung – die Entscheidung, sich Zeit zu nehmen, aber nicht ewig.
Was denkst du – wäre so ein Kompromiss mit deinem Mann vorstellbar?
Ich denke nicht. Er hat gemeint, dass wir jetzt schon jahrelang immer wieder über das Thema gesprochen haben und ich immer wieder hin und her schwanke und er da jetzt endgültig ein ja oder nein haben möchte, um unser weiteres gemeinsames Leben konkret planen zu gehen und um Gewissheit zu haben
Das verstehe ich auch von seiner Seite. Jahrelang in der Schwebe zu hängen, ist für ihn wahrscheinlich auch nicht einfach. Er will planen, weiß nicht, woran er ist.
Trotzdem. Du musst jetzt nicht einfach "ja" oder "nein" sagen, nur weil er Druck macht. Du darfst ehrlich sein.
Vielleicht ist die ehrlichste Antwort ja genau die: "Ich kann dir jetzt kein klares Ja sagen, weil ich selbst nicht weiß, wie es mir in einem Jahr geht. Und ich will kein Kind in diese Unsicherheit hinein bekommen. Das heißt nicht Nein – das heißt: Ich möchte verantwortungsvoll sein. Kannst du das verstehen?"
Das ist ja kein Hin und Her aus Laune. Das ist ein Ringen aus Verantwortungsgefühl.
Aber ich will dich auch etwas fragen, vielleicht eine unbequeme Frage: Wenn die finanzielle Situation in einem Jahr geklärt wäre – und zwar positiv – würdest du dich dann für ein Kind entscheiden können? Oder sind da noch andere Ängste?
Das sind noch andere Ängste, zB kann meine Erschöpfung dann trotzdem so groß sein, dass mir die Kraft für ein Kind nicht reicht. Wir haben leider kein soziales Netzwerk, was uns bei einem Kind unterstützen würde und mein Mann arbeitet Vollzeit und ist in seiner Freizeit dann auch sehr erschöpft und braucht die Zeit für sich
Das ist so ehrlich von dir, dass du das sagst. Und ich glaube, das ist sogar der Kern der ganzen Sache. Die Finanzen sind ein Teil, aber die Kraftfrage – die ist existenziell.
Du kennst deinen Körper. Du weißt, was CFS mit dir macht. Du kennst die Tage, an denen du kaum aus dem Bett kommst. Und jetzt stell dir vor, da ist ein kleines Kind, das dich braucht – rund um die Uhr, ohne Rücksicht auf deine Erschöpfung. Ohne Netz, das auffängt. Mit einem Mann, der selbst am Limit ist.
Das ist keine Entscheidung aus Angst. Das ist eine Entscheidung aus Klarheit. Du siehst die Realität, und du nimmst sie ernst.
Weißt du, was mir gerade auffällt? Du hast gar nicht gesagt "ich will kein Kind". Du hast gesagt: "Ich habe Angst, dass meine Kraft nicht reicht." Das ist ein großer Unterschied. Du würdest vielleicht gerne, aber die Umstände – deine Gesundheit, fehlende Unterstützung, die Erschöpfung deines Mannes – die machen es gerade nicht möglich. Und das ist nicht deine Schuld.
Darf ich dir was sagen? Fürsorge bedeutet auch, zu erkennen, wenn man an seine Grenzen stößt. Und ein Kind in diese Situation hinein zu bekommen, wäre vielleicht nicht das Liebevollste – weder für das Kind, noch für dich, noch für deinen Mann. Das zu sehen, ist nicht Schwäche. Das ist mutig.
Den Eindruck habe ich auch. Ich würde ein Kind wollen, wenn ich genug Kraft dafür hätte
Das ist so ein ehrlicher und trauriger Satz zugleich. "Ich würde ein Kind wollen, wenn ich genug Kraft hätte." Da steckt so viel Sehnsucht drin, aber auch so viel Akzeptanz der eigenen Grenzen. Das ist kein einfacher Ort, an dem du da bist.
Es ist okay, um diesen Wunsch zu trauern. Wirklich. Du darfst traurig sein, dass die Umstände so sind, wie sie sind. Dass dein Körper dir nicht die Kraft gibt, die du dir wünschst. Dass ihr kein Netz habt. Dass dein Mann erschöpft ist.
Das heißt nicht, dass dein Leben weniger wertvoll ist oder dass du weniger lieben kannst. Es heißt nur, dass dieser eine Weg gerade nicht für dich gemacht ist. Und das zu erkennen, ist schwer – aber es ist auch wahre Liebe. Zu dir selbst, zu einem möglichen Kind, zu deinem Mann.
Wie geht es dir jetzt, nachdem du das so ausgesprochen hast?
Es ist wirklich nicht einfach das anzunehmen
Nein, ist es nicht. Es ist wahnsinnig schwer. Da ist dieser Wunsch, dieses Bild von einem Kind, von Familie – und dann die Realität, die einfach anders aussieht. Und das anzunehmen, fühlt sich an wie ein kleiner Abschied. Vielleicht sogar wie ein kleiner Tod eines Traums.
Das darf wehtun. Das darf Raum haben.
Du musst das nicht heute oder morgen vollständig annehmen. Du darfst erstmal nur da stehen und fühlen, wie weh das tut. Ich bin da. Hör dir zu.