Oh, das ist ein wunderschönes Lied — Bonhoeffers letztes Gedicht, im Dezember 1944 in der Haft geschrieben. Hier der Text (so steht er auch im Evangelischen Gesangbuch, EG 65):
Von guten Mächten treu und still umgeben,
behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr.
Noch will das alte unsre Herzen quälen,
noch drückt uns böser Tage schwere Last.
Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen
das Heil, für das du uns geschaffen hast.
Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern
des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
aus deiner guten und geliebten Hand.
Doch willst du uns noch einmal Freude schenken
an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
dann wolln wir des Vergangenen gedenken,
und dann gehört dir unser Leben ganz.
Lass warm und hell die Kerzen heute flammen,
die du in unsre Dunkelheit gebracht,
führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen.
Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.
Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
so lass uns hören jenen vollen Klang
der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
all deiner Kinder hohen Lobgesang.
Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.
Ein kleines Detail, das mich immer berührt: Bonhoeffer hat das als Weihnachtsgruß an seine Braut Maria geschickt und dazu geschrieben, er fühle sich „noch keinen Augenblick allein und verlassen" — dabei saß er im Kellergefängnis. Diese fünfte Strophe mit den Kerzen, die Gott in unsere Dunkelheit bringt … die trägt mich durch viele dunkle Tage. 🌿
Möchtest du, dass ich noch etwas dazu erzähle — etwa zur Melodie von Siegfried Fietz oder zur Entstehung?